Efringen-Kirchen gemeinsam gestalten

Meine Rede zum Neujahrsempfang 2025

Das Jugendorchester des Musikvereins Egringen hat uns heute den musikalischen Einstieg in den Neujahrsempfang geboten. Herzlichen Dank. Ich bin gespannt, was wir heute noch hören dürfen.

Im Namen der Gemeinde Efringen-Kirchen und auch persönlich heiße ich Sie herzlich Willkommen zum Neujahrsempfang der Gemeinde Efringen-Kirchen und freue mich, dass Sie der Einladung so zahlreich gefolgt sind.

Wie es Protokoll und Tradition empfehlen, möchte ich zu Beginn unsere Ehrengäste begrüßen. Auch wenn wir uns beim Neujahrsempfang des Landkreises bereits gesehen haben, darf ich Frau Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann und als Vertreter der Landrätin den ersten Landesbeamten Herrn Ulrich Hoehler begrüßen. Es freut mich, dass aus den Umland meine Bürgermeisterkollegen aus Bad Bellingen, Eimeldingen, dem französischen Rosenau und Weil am Rhein heute unsere Gäste sind. Weiter heiße ich unseren Ehrenbürger Heinz Graf und unseren Ehrenkommandanten Werner Schmid willkommen und begrüße die anwesenden Mitglieder des Gemeinderates und der Ortschaftsräte sowie die Damen und Herren Ortsvorsteher. Die Projekte der Gemeinde Efringen-Kirchen gelingen nur in Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern, deren Vertreter ich heute Abend herzlich willkommen heiße. Da wir diesen Abend auch dafür nutzen, denjenigen zu danken, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, freue ich mich, dass neben unserem Gesamtkommandanten Philipp Haberstroh weitere Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Efringen-Kirchen und ihren Abteilungen sowie die Vertreter der Polizei und Rettungsorganisationen der Einladung gefolgt sind. Die Vertreterinnen und Vertreter der Schulen, sozialen Verbände und Kirchengemeinden darf ich ebenfalls begrüßen. Genauso freue ich mich, dass zahlreiche Vereinsvorsitzende, lokale Gewerbetreibende und die Vertreter der Sparkasse Markgräflerland heute Abend gekommen sind. Da „die Verwaltung“ oder „die Gemeinde“ nie ich allein bin und die zahlreichen Aufgaben auch nicht alleine meistern könnte, darf ich die Mitarbeitenden der Gemeinde herzlich willkommen heißen, sei es aus dem Rathaus, dem Werkhof oder den kommunalen Kindergärten. Die Redakteure der lokalen Zeitung sind ebenfalls unser Gast und werden hoffentlich positiv über den heutigen Abend berichten. Liebe Einwohnerinnen und Einwohner aus Blansingen, Efringen-Kirchen, Egringen, Huttingen, Istein, Kleinkems, Mappach, Maugenhard, Welmlingen und Wintersweiler, sehr geehrte Damen und Herren,

wenn Sie mich Ende letzten Jahres gefragt hätten, was die Gemeinde Efringen-Kirchen 2024 so bewegt hat, hätte ich spontan gesagt, nicht viel. Bauernproteste, Kriege, Anschläge, Rezession und eine Bundesregierung, die mit Rücktritten die allgemeine Unsicherheit unter den Menschen verstärkt,
erscheinen doch als gewaltigere Entwicklungen im Vergleich zu unserem beschaulichen Weindorf zwischen Rhein und Reben. Bei der Recherche für den heutigen Abend konnte ich mir aber dann die Vielzahl der Veranstaltungen und Projekte gut vor Augen führen.

Vielleicht ist einem manche Maßnahme nicht bewusst, da sie irgendwie dauerhaft zu sein scheint. So geht es vielen Menschen beim Ausbau des Breitbandnetzes. Seit Jahren graben sich verschiedenste Firmen im Auftrag des Zweckverbandes des Landkreises durch Straßen und Gehwege aller Ortsteile, um möglichst viele Haushalte mit schnellen Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Dies ist in Zeiten von Homeoffice und Digitalisierung ein wichtiger Standortfaktor in unserem internationalen Dreiländereck. Dazu passt gut, dass die Erschließung der beiden Neubaugebiete in den Ortsteilen Egringen und Huttingen begonnen bzw. abgeschlossen werden konnte. Das zugehörige Regenüberlaufbecken an der B3 wird im Frühjahr 2025 dann fertiggestellt werden. Das gilt auch für die neue Fußgängerbücke an der B3 in Welmlingen. Die Anbindung an den Fußweg wird erfolgen, sobald das Wetter dies zulässt. So ist es auch bei den restlichen Arbeiten des Feldwegeprogramms. Hierbei kann jeder Ortsteil drei Abschnitte anmelden, die im Lauf des Jahres durch den Werkhof ertüchtigt werden. Und wenn man gerade im Tiefbau so erprobt ist, passt es ja ganz gut, dass wir im vergangenen Jahr die ersten Planungsschritte für die Sanierung der östlichen Baslerstraße eingeleitet haben. Hier sollen alle Leitungen erneuert und auch der Straßenraum umgestaltet werden. Es liegen bereits Fördermittelzusagen zu, um diesen Abschnitt als Fahrradstraße auszugestalten.

Wie Verkehr bzw. die Interessen der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden geregelt werden sollen, war auch Thema in der zweiten Verkehrsschau mit dem Schwerpunkt Radverkehr, wovon die Sperrung der Roten Bruck für den motorisierten Verkehr ein heißt diskutiertes Ergebnis war.

Das Thema Mobilität hat uns auf vielfältige Weise letztes Jahr beschäftigt. Das Netzwerk für nachhaltige Mobilität, dem die Gemeinde Efringen-Kirchen mit den benachbarten Gemeinden angehört, hat die Vorplanungen für Mobilitätsstationen, Ladesäulen und Carsharing-Standorte fortgesetzt. Der Station am Rathaus mit Carsharing-Auto und Ladesäule werden demnächst weitere in allen Ortsteilen folgen. Auf Landkreisebene gibt es ebenfalls Kooperationen, um landkreisweit beispielsweise eine einheitliche Pendler-App und On-Demand-Verkehr zu vernetzen. Aber wir waren auch auf höheren Ebenen in diesem Thema aktiv. Vom Bundesverkehrsministerium in Berlin erhielten wir einen Förderbescheid über 271.500 Euro, um den Güterschuppen am Bahnhof Efringen-Kirchen in ein Fahrradparkhaus umzuwandeln. Manch einer meinte wir spielen jetzt in derselben Liga wie Berlin, München, Dresden und Leipzig, die beim selben Förderprogramm den Zuschlag erhielten. Ich denke wir werden diesem denkmalgeschütztem Gebäude eine kosteneffiziente, neue Funktion geben.

Vom Land Baden-Württemberg haben wir ebenfalls eine Förderzusage zum Klimopass erhalten. Hiermit können wir die gesetzlich geforderten Anpassungen an die Folgen des Klimawandels realisieren. Dieser Herausforderung hat sich 2024 auch unser Werkhof-Team gewidmet. Im Rahmen des Programms „natur nah dran“ werden ausgewählte Flächen in der Gemeinde mit insektenfreundlichen und hitzetoleranten Gewächsen bepflanzt, die in Zukunft nur noch extensiver Pflege bedürfen. Nicht nur die Nachbarschaft des Quartiersplatzes Gießenfeld kann auf das blühende Ergebnis der Mitmachaktion gespannt sein, sondern alle Einwohnerinnen und Einwohner. Die Erfahrungen aus diesem Projekt werden wir nämlich nach und nach auf ein Grünpflegekonzept übertragen. Die vielfältigen Aufgaben mit dem Stammpersonal des Werkhofs zu bestreiten, ist je nach Witterung eine Herausforderung. Daher freuen wir uns, dass seit letztem Monat das Team wieder vollzählig besetzt ist. Hier ein herzlicher Dank an die Herren des Werkhofes und der Eigenbetriebe Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. Sie sind bei Wind und Wetter und zu manch unüblicher Zeit unterwegs, wie beim Schneechaos am 21. November 2024 ja deutlich wurde. Ergänzend hier möchte ich dem Team des Gebäudemanagements danken, die die vielen Liegenschaften der Gemeinde betreuen und auch an besagtem Tag Schulhöfe etc. wieder begehbar machten. Den Bereich Friedhöfe wollen wir zukünftig extern betreuen lassen, um sowohl für Bürgerschaft, als auch für das Werkhofteam eine gute Lösung zu finden. Dies schafft dann gegebenenfalls auch Raum für weitere Projekte, die bisher hintenanstanden. Die Gemeinde Efringen-Kirchen ist mittlerweile in intensivem Austausch mit den zuständigen Behörden, um den Starkregenschutz zu verbessern und die Pflege der Bachläufe naturverträglich umzusetzen. Weiter werden die testweise eingerichteten Mülltrennungsstationen an den Friedhöfen in Istein und Kirchen, nachdem sich diese bewährt haben, nun auch an anderen Friedhöfen umsetzen.

Das Verwaltungsteam im Rathaus hat 2024 auch einige Vorhaben bewerkstelligt. Raumplanerisch mussten der Lärmaktionsplan erneuert werden und die Teilregionalpläne Freiflächen-Photovoltaik und Windenergie behandelt werden. Aus letzterem entstand das gemeinsame Flächenpooling der Gemeinden Bad Bellingen, Efringen-Kirchen und Kandern, um zusammen mit Grundstückeigentümern und Kommunalpolitik verträgliche Rahmenbedingungen für Windkraft zu ermöglichen. Das Rechnungsamt konnte nach einigen Meilensteinen, wie der Eröffnungsbilanz nach neuem kommunalem Haushaltsrecht und der Prüfung der Haushaltsjahre 2016-2017, auch die Neukalkulation der Wasser- und Abwassergebühren für die Jahre 2024 und 2025 sowie die Abschlüsse der Eigenbetriebe für 2018 und 2019 abhaken. Intensiv vorzubereiten galt es die Grundsteuerreform auf den 01.01.2025, deren Bescheide jetzt aktuell versandt worden sind. Hier hatte die Gemeinde im Nachgang zu den Grundsteuermessbescheiden der Finanzämter das neue Bundes- und Landesrecht zur Grundsteuererhebung umzusetzen und steht aktuell für Rückfragen aus der Bürgerschaft mit einer Telefonhotline zur Verfügung. Weiter wurde endlich die von Bürgermeister Philipp Schmid initiierte Kooperation der Mediatheken von Efringen-Kirchen und der französischen Gemeinde Rosenau umgesetzt. Durch regelmäßigem Medienaustausch ist diesseits des Rheins französische Literatur und auf der anderen Seite deutsche Literatur ausleihbar.

Eine weitere Veränderung kam durch die Kommunalwahlen. 12 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, 19 Mitglieder der Ortschaftsräte sowie zwei Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher wurden neugewählt. Viel frischer Wind in den Gremien.

Ebenso gab es im Bereich des Personals einige Wechsel und Vakanzen. Den größten Einschnitt stellt wohl der Weggang unseres langjährigen Hauptamtsleiters Herrn Pfahler dar, dem wir alles Gute in der neuen Wirkungsstätte wünschen. Die meisten Stellen konnten mit neuen Kolleginnen und Kollegen besetzt werden. Ausfälle und Personalmangel wurden von dem engagierten und motivierten Team der Gemeinde Efringen-Kirchen an den verschiedensten Stellen aufgefangen. Für diesen Einsatz und die Unterstützung möchte ich an dieser Stelle von Herzen danken. Aber auch so kamen wir an Grenzen, sodass beispielsweise Öffnungszeiten von Einrichtungen eingeschränkt oder manche Projekte vertagt wurden. So wird die angekündigte neue Homepage der Gemeinde, die dann die Kriterien der Barrierefreiheit erfüllt, erst in den kommenden Monaten veröffentlicht werden.

Durch die Entscheidung des Gemeinderates den Kindergarten in Blansingen für die Grundschulbetreuung um zu nutzen, können wir hier die Kräfte bündeln, um den Familien bedarfsgerechte Betreuung anbieten zu können. Die Kräfte unserer Schulleitungen waren 2024 stark gefordert. Durch den Weggang von Herrn Pilz musste unser Konrektor Herr Hofmaier die Aufgaben übernehmen. Wir hoffen auf eine zeitnahe Nachbesetzung. Auch Frau Kapfer, Rektorin der Grundschule Egringen, ist aktuell mit zusätzlichen Aufgaben betraut. Vielen Dank an Sie und die Kollegien für Ihre Leistung. Seitens der Gemeinde konnten wir die beiden Schulen mit zwei Investitionen unterstützen. Das Schulzentrum erhielt in mehreren Klassenzimmern neue Fenster sowie eine neue Schulküche und die Grundschule Egringen teilweise eine neue Heizung. Die vom Starkregen 2023 überflutete Sporthalle der Egringer Grundschule konnte bei einer kleinen Feierstunde Anfang letzten Jahres wieder in Betrieb genommen werden. Unser Jugendzentrum hat unter der neuen Leitung nun das erste Jahr gemeistert und war Veranstaltungsort für die Erstwählerveranstaltung zur Kommunalwahl. Am 6. Februar wird das Format zur Bundestagswahl stattfinden. Hierzu herzliche Einladung an alle Jugendlichen.

Nachdem das Museum aus Brandschutzgründen geschlossen wurde, beleben nun temporäre Ausstellungen das Rathausfoyer. Die nächste Ausstellung wird am 25. Januar um 11.00 Uhr eröffnet, wozu ich ebenfalls alle herzlich einlade. Aus diesen Umständen fanden auf Initiative der SPD die Kulturschaffenden der Gemeinde zusammen, um sich auszutauschen. Eine gute Unterstützung hierfür könnte das Förderprogramm Aller.Land sein. Hier hat sich der Landkreis Lörrach zusammen mit mehreren Gemeinden um Finanzmittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro für kulturelle Angebote im ländlichen Raum beworben. Wir sind gespannt, ob wir demnächst unter dem Motto der Bewerbung „Schätze der Dörfer“ das Kulturprogramm in Efringen-Kirchen weiter ausbauen können.

Überdies haben sich viele Menschen in den kommunalen Einrichtungen der Gemeinde engagiert, sei es im Arbeitskreis Stolpersteine, den Kammerkonzerten, dem Bürgerbus, der Agenda-Gruppe oder dem Seniorenmittagstisch. Herzlichen Dank für dieses Engagement sowie das Engagement einzelner Personen, die durch kleine Pflegearbeiten zum Ortsbild in allen Ortsteilen beigetragen haben.

Dies gilt auch für die verschiedensten Gruppen, Vereine und Institutionen, die im Ehrenamt die Gemeinschaft Efringen-Kirchens bereichern. Durch die Vielfalt der Angebote kommen Menschen auf unterschiedlichste Weise zusammen, seien es Dorfabende, Sommerfeste, Konzerte, Dorfhocke, Seniorentreffen, adventliche Zusammenkünfte, Spielenachmittage, Cafés oder Flohmärkte. Herausragend war im vergangenen Jahr natürlich das Chlimsefest in Istein. Um die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Gemeinde zu verbessern, fand 2024 zum ersten Mal ein Treffen der Vereinsvertretenden statt, was wir nun jährlich wiederholen wollen.

Das hat sich auch bei den Märkten der Gemeinde bewährt. Durch Austausch mit den Beschickern des Weihnachts- und des Wochenmarktes konnten kleine Verbesserungen bereits umgesetzt werden. Beim Wochenmarkt wurden Kabelbrücken beschafft, um die Stolperstelle zu beseitigen. Erfreulich ist, dass das Angebot um Blumen und frischen Fisch freitags ergänzt wurde. Am Weihnachtsmarkt wurde eine Spülmaschine aufgestellt, um Einwegbecher einzusparen. Den Aufbau der Weihnachtsmarktstände hatte dankenswerter Weise wieder die Abteilung Efringen-Kirchen der Freiwilligen Feuerwehr übernommen.

Das war im vergangenen Jahr keine Selbstverständlichkeit. Die Floriansjünger haben ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Das Büro Brandschutz Vier startete mit der Erstellung der Standortkonzeption sowie des Feuerwehrbedarfsplans und beschäftigte durch Datenerhebung und Umfragen alle Kameradinnen und Kameraden. Hinzu kamen die Vorbereitungen für den Bekleidungspool mit der Feuerwehr Lörrach und die Beschaffung des HLF20. Weiter stand die Großübung im und am Katzenbergtunnel mit mehreren hundert Einsatzkräften an. Herzlichen Dank an die Kameradinnen und Kameraden sowie die anderen Blaulichtorganisationen für Ihren Einsatz für die Gemeinde.

Für die Abteilung Blansingen der Freiwilligen Feuerwehr kam noch das 150-jährige Jubiläum hinzu. Auf eine längere Historie konnten die Ortsteile Huttingen und Mappach schauen, die bei verschiedenen Festivitäten das 750-jährige bzw. 1.150-jährige Jubiläum feierten. In Jahreszahlen gering, aber weitreichend war das Jubiläum der Gesamtgemeinde und gleichzeitig der Gesamtwehr Efringen-Kirchen. Nach fünfzig Jahren ist unsere Patchworkfamilie zusammengewachsen. Diese Gemeinschaft wollen wir weiter ausbauen und planen Ende des Jahres, einen „Tag der Gemeinde“ mit Beteiligten aus allen Ortsteilen durchzuführen.

Über all dem schwebte im vergangenen Jahr das Gemeindeentwicklungskonzept. Durch verschiedene Beteiligungsformen werden die Wünsche der Einwohnerschaft erfasst, um eine zukunftsfähige Strategie für die Gesamtgemeinde mit all seinen Ortsteilen zu entwickeln. Wie wir Efringen-Kirchen weiterentwickeln, ist also keine reine Entscheidung des Gemeinderates, sondern Sie als Bürgerin und Bürger können Ihre Ideen und Impulse einbringen. Der erste Schritt war eine interne Datenerfassung und Stärke-Schwächen-Analyse mit den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern. Gleichzeitig hatten 3.200 Einwohnerinnen und Einwohner die Möglichkeit an einer Stichprobenbefragung teilzunehmen. Diese Gelegenheit haben 35,9 Prozent genutzt und Ihre Sichtweise auf Efringen-Kirchen mit seinen neun Ortsteilen mitgeteilt. Die Ergebnisse wurden in einer Klausur dem Gemeinderat vorgestellt und diskutiert. Als nächsten Schritt wird übernächste Woche die Bürgerbeteiligung mit Zukunftsateliers starten. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit sich einzubringen.

Auch der Feuerwehrbedarfsplan wird aktuell auf Basis des beschlossenen Standortkonzepts erstellt und kommt im Frühjahr zum Beschluss in den Gemeinderat. Weiter bewegt aktuell die anstehende Bundestagswahl das Rathausteam aus organisatorischer Sicht. Nachdem bereits am Neujahrsmorgen ein Wasserrohrbruch in Welmlingen das Team des Eigenbetriebs Wasserversorgnung forderte, werden wir 2025 die geplante Netzanalyse umsetzen. Alle weiteren kommunalen Projekte erfahren Sie, wenn Sie am Montag zum Beschluss des Haushalts in die Gemeinderatssitzung kommen, wozu ich Sie herzlich einlade.

Im Ausblick auf das kommende Jahr möchte ich mich in meiner heutigen Rede nämlich nicht auf das Was, sondern auf das Wie konzentrieren.

Gerade die letzten Monate waren beherrscht von Unsicherheit. Wie geht es weiter? Wie sieht Efringen-Kirchen und unsere Infrastruktur in allen Ortsteilen in fünf oder zehn Jahren aus? Es ist nachvollziehbar und auch nachempfindbar, dass diese Ungewissheit Angst verursacht. Auch kleine Veränderungen oder andere Verhaltensweisen rufen bei manchen Menschen negative Emotionen hervor. Die übliche Reaktion ist dann meist „Das haben wir doch immer so gemacht“ oder „Das war doch immer gut so“.

Die Gemeinde Efringen-Kirchen ist leider an einem Punkt, dass es ein „Immer so“ nicht mehr geben kann. Wir brauchen Veränderungen, um die kommunalen Finanzen zukunftsfähig aufzustellen. Aber wir müssen uns auch eingestehen, dass es in gewisser Weise ein „immer so“ gar nicht gibt und vor allem kein „immer gut“.

Was haben wir denn immer so gemacht? Meine Mutter hat immer auf einer Schiefertafel in der Schule geschrieben. Ich hatte in meiner Schulzeit Papierhefte und die Schülerinnen und Schüler Efringen-Kirchens haben digitale Tafeln und iPads. In ein paar Jahren kennen die Kinder Kreide vielleicht nur noch, um bunte Bilder auf den Gehweg zu malen. Mein Urgroßvater hat seine Felder immer mit Viehgespannen bewirtschaftet und heute gehören Traktoren zum Alltag der Landwirtschaft. Mein Vater ging während seiner Lehrzeit immer in die Engetalstraße, wenn er beim Schachenmeier etwas besorgen musste. Überlegen Sie mal, was in Ihren frühen Lebensjahren immer da war und immer so gemacht wurde. Gibt es diese immer noch? Ist das immer noch gut? Oder gibt es mittlerweile eine bessere Variante?

Wenn wir uns verändern, bedeutet es aber nicht, dass wir alles komplett einmal umdrehen oder dass wir große Veränderungen anstoßen und Sie einfach als Zuschauer am Rande alleine stehen lassen. Dafür gibt es die Bürgerbeteiligung in unserem Veränderungsprozess, der aktuell unter dem Begriff Gemeindeentwicklungskonzept läuft. Hier können Sie sich einbringen, können Ihre Bedürfnisse, Erfahrungen und, was Ihnen für die Zukunft wichtig ist, mitteilen und zwar positiv!

Wieso ich das positiv so betone? In den letzten Monaten gab es auch viel Kritik und Gerede über die Gemeinde, die Verwaltung oder die Bürgermeisterin. Glauben Sie mir, ich bin ein selbstkritischer Mensch und nehme jegliche Kritik an. Jedoch wäge ich diese ab und komme manchmal doch zu dem Schluss, dass ich meine Variante doch für gut halte. Dabei geht es um gut und nicht um richtig. Wie ich bei meiner Rede am Bürgerempfang 2023 betont habe, bedeutet anders ja nicht gleich falsch, sondern eben nur anders.

Da wir dieses Jahr nun in die offene Bürgerbeteiligung einsteigen, ist es angesichts der vergangenen Monate wichtig, dass wir unser Miteinander irgendwie anders, irgendwie neu aufstellen.

Es ist klar, dass es zu Veränderungen kommen wird. Das Gemeindeentwicklungskonzept und die zugehörige Bürgerbeteiligung haben das Ziel etwas zu verändern. Die vielen Aufgaben, die die politische Gemeinde mittlerweile erfüllen muss, sind finanziell und personell und deswegen auch wiederum finanziell nicht mehr leistbar. Daher muss es zu einer Umgestaltung kommen. Dies erreichen wir, indem wir miteinander reden, indem wir Sie beteiligen. Entscheidend dafür ist, dass es positiv und konstruktiv geschieht.

Wie zuvor geschildert, kann ich verstehen und nachempfinden, dass Sie in diesem Prozess Angst und Unsicherheit verspüren, weil es immer gut war, wie es ist. Aber ich bin hier angetreten, positive Veränderungen zu ermöglichen und diese zusammen mit Ihnen zu gestalten. Es war nie mein Ansinnen und ist nicht meine Art, mit dem Gemeinderat einen Plan zu schmieden und irgendwelche Liegenschaften rot zu markieren, wie es anderswo passiert. Die anstehenden Veränderungen möchte ich stattdessen zusammen mit Ihnen positiv und konstruktiv gestalten. Das bedeutet für Sie, dass Sie alternative Vorschläge einbringen, wenn Sie mit etwas unzufrieden sind, damit wir es anders besser machen. Durch Motzen und Kritisieren helfen Sie niemandem weiter und sind doch nur verärgert. Geben Sie uns konstruktive Tipps und Hinweise, wenn Sie mit geplanten Veränderungen nicht zufrieden sind. So können wir den Veränderungsprozess so gestalten, dass Sie sich damit wohl fühlen, dass Sie bei unserem neuem „Immer“, also unserem neuen Weg dabei sind. Wir möchten Sie mitnehmen und im besten Falle alle. Denn eigentlich möchten wir auf diesem Weg niemanden zurücklassen, weil er oder sie immer auf das alte „Immer“ pocht. Es wird vieles Neues geben und nutzen Sie die Möglichkeit, sich positiv und konstruktiv einzubringen.

Aufgrund der „Silvesterpunsch“-Folge der Serie „Ein Herz und eine Seele“ habe ich etwas über den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger recherchiert. Dabei bin ich auf eine interessante Anekdote gestoßen, die ich zum Abschluss meiner Rede mit Ihnen teilen möchte. Henry Kissinger war als Jude aus Nazi-Deutschland geflohen und später in der amerikanischen Besatzungszone für die US-Army stationiert. Hier ist ein Schriftwechsel mit seinem Vater überliefert. Als sein Vater ihm schrieb, er solle streng mit den Deutschen umgehen, antwortete er ihm folgende Worte „irgendwo muss dieser Negativismus enden, irgendwo müssen wir etwas Positives hervorbringen, oder wir müssen für immer als Wächter über das Chaos hier bleiben“

Mit dieser Anekdote möchte ich Sie ermutigen und bitten, den Negativismus zu beenden und nicht als Wächter des Chaos am Rande zu stehen, sondern stattdessen die kommenden Veränderungen konstruktiv mitzugestalten, damit wir etwas Positives hervorbringen.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit

 

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